Myoreflextherapie

Eine neue Schmerztherapie durch Muskelentspannung

Wie aus dem Namen Myo-Reflex-Therapie deutlich wird, geht es bei dieser Behandlungs- methode primär um die Muskeln (Myo) des Menschen und um deren reflektorische Behand-lung. Mit einem Anteil am Gesamtkörpergewicht von bis über 40 % ist die Skelettmuskulatur das am stärksten ausgebildete Organ des Menschen. Hinzu kommen die Muskeln des Herzens, der Atmung und viele mehr. Zugleich meint der Begriff Myoreflextherapie, daß der Patient eine Spürhilfe bekommt – sein neuromuskulärer Zustand wird ihm gespiegelt (reflektiert) und so seiner Selbstregulation wieder zugänglich gemacht.

Der erste Halswirbel heisst Atlas – er trägt den Kopf. Ihm kommt von allen Wirbelkörpern eine besondere Bedeutung zu, da Fehlstellungen bzw. Blockierungen in diesem Bereich weitreichende Symptome hervorrufen können. Eine Bewegungseinschränkung in der Halswirbelsäule muss durch eine übermässige Bewegung anderer Wirbelbereiche ausgeglichen werden. Schnell führt dies zu einer Überbeanspruchung (unfunktionellen Belastung) in diesen Wirbelbereichen.

Punkte im Bereich der Halswirbelsäule, Atlas und Schädel spielen bei vielen Therapieformen in aller Welt eine wichtige Rolle. Vorteil der Myoreflextherapie ist ein gezielter und kalkulier-barer Umgang mit diesen Punkten. Im Gegensatz zu der klassischen Atlastherapie werden in unserem Verfahren keine ruckartigen Impulse im Bereich des Atlas gesetzt. Wir sprechen deshalb von einer modifizierten (abgewandelten) Atlastherapie.

Bei der Myoreflextherapie handelt es sich um eine Therapie, bei der der Patient nicht passiv sondern aktiv beteiligt ist. Man kann den Vorgang der Behandlung mit der Bedienung eines Computers vergleichen. Die Muskeln übernehmen hierbei die Rolle der Tastatur, die vom Therapeut bedient wird, indem er an bestimmten Stellen der Muskeln manuellen Druck ausübt. Der eigentliche Veränderungs- bzw. Therapieprozess wird vom Innenleben des Computers bzw. des Patienten geleistet.

Das Muskelsystem ist das tragende Erfolgsorgan unserer Handlungen. Unser Wollen und Streben bestimmt die Muskulatur und geht in diese ein. Durch sie stellen wir uns in die Welt, – wir haben Zugriff auf diese Welt und setzen uns mit ihr auseinander. Auch Mimik und Gestik (das Forschungsgebiet der Pantomimik) sind hier zu nennen: Der phylogenetische Hintergrund von Körperhaltungen (z.B. als Ausdruck von Kampf- und Fluchtverhalten), die Artikulation zwischenmenschlicher und sozialer Beziehungen (z.B. Dominanz oder Sich-klein-Machen) und die kulturspezifische Bedeutung von Bewegung sind inhaltliche Grundaspekte der Pantomimik.
Das System der Muskulatur funktioniert im und für den Menschen. – Und so übernimmt es Funktionen und Inhalte, welche dem Körper allein nicht zu entnehmen sind – welche aber sehr wohl im Leib des Menschen, d.h. im und für ein übergreifendes Ganzes repräsentiert sind. Als unser Anteil an der Umwelt stellt der Leib einen besonderen Bezirk der Umwelt dar – und er ist zugleich der ursprüngliche Ort unseres Selbst. Die inhaltlichen Aspekte unserer Handlungen und Pantomimik werden von der Muskulatur und der sie regulierenden neuronalen Strukturen getragen und aufbewahrt. – Und jene Inhalte können – wie die Praxis zeigt – von und durch diesen Ort abgerufen und wieder in Erinnerung gebracht werden: Über die therapeutische Druckpunktstimulation können beim Patienten implizite Erinnerungen und Wahrnehmungseindrücke getriggert und bewußt gemacht werden, welche diesem über – z.T. sehr lange Zeiträume – nicht mehr zugänglich waren. Die Druckpunkte der Muskulatur fungieren dann als emotionale Schmerzpunkte – „vergessene“ Handlungsabläufe und situative Erlebnisinhalte werden assoziativ aktiviert und so wieder ins Gedächtnis gerufen.

Dr. Kurt Mosetter (Begründer der Myoreflextherapie)